Sofortimplantat – für wen geeignet?
Ein Sofortimplantat klingt verlockend: Zahn raus, Implantat rein — alles in einer Sitzung. Doch diese Methode ist nicht für jeden geeignet. Dieser Leitfaden erklärt, wann ein Sofortimplantat medizinisch sinnvoll ist, wann nicht — und welche Alternativen es gibt.
Inhalt dieses Leitfadens

Was ist ein Sofortimplantat?
Ein Sofortimplantat (auch: Immediat-Implantat) wird unmittelbar nach der Zahnextraktion in die noch frische Extraktionsalveole gesetzt — in derselben Sitzung. Das unterscheidet es vom konventionellen Vorgehen, bei dem nach der Extraktion 3–6 Monate gewartet wird, bis der Knochen vollständig verheilt ist.
Wichtige Unterscheidung
Sofortimplantat
Implantat wird am Tag der Extraktion gesetzt. Knochen noch nicht verheilt.
Sofortversorgung
Implantat bereits eingeheilt, provisorische Krone wird sofort aufgesetzt. Zwei getrennte Eingriffe.
Schlüsselbegriff: Primäre Stabilität
Das Implantat muss sofort fest im Knochen verankert sein — mit einem Einschraubdrehmoment von mindestens 35 Ncm. Ohne diese primäre Stabilität ist ein Sofortimplantat nicht möglich.
Für wen ist ein Sofortimplantat geeignet?
Die Entscheidung hängt von mehreren Faktoren ab. Grüne Punkte sind Voraussetzungen, rote Punkte sind Kontraindikationen:
Frische Extraktion ohne Infektion
✓ GeeignetDer Zahn wird entfernt und das Implantat sofort in die Extraktionsalveole gesetzt. Voraussetzung: keine aktive Entzündung, ausreichend Knochen.
Ausreichende Knochenqualität und -quantität
✓ GeeignetMindestens 3–4 mm Knochen unterhalb der Alveole für primäre Stabilität. Knochendichte D1–D3 (nicht D4 = sehr weich).
Gute Mundhygiene und gesundes Zahnfleisch
✓ GeeignetKeine aktive Parodontitis. Professionelle Zahnreinigung vor dem Eingriff ist Pflicht.
Nichtraucher oder Raucher mit Compliance
✓ GeeignetRaucher haben ein 2–3× höheres Risiko für Implantatverlust. Mindestens 2 Wochen Rauchstopp vor und 4 Wochen nach dem Eingriff.
Aktive Infektion oder Abszess
✗ KontraindikationBei akuter Infektion muss zuerst geheilt werden. Sofortimplantat in infiziertes Gewebe ist kontraindiziert.
Schwere Allgemeinerkrankungen
✗ KontraindikationUnkontrollierter Diabetes, Bisphosphonat-Therapie, Immunsuppression — alle erhöhen das Risiko erheblich.
Unzureichender Knochen
✗ KontraindikationWenn nach Extraktion kein ausreichender Knochen für primäre Stabilität (>35 Ncm) vorhanden ist, ist ein Sofortimplantat nicht möglich.
Was Patienten grundsätzlich wissen sollten
Primäre Stabilität ist entscheidend
Das Implantat muss sofort fest im Knochen sitzen — mindestens 35 Ncm Einschraubdrehmoment. Ohne diese primäre Stabilität ist ein Sofortimplantat nicht möglich. Der Chirurg misst dies während des Eingriffs.
Osseointegration dauert gleich lang
Auch beim Sofortimplantat braucht der Knochen 3–6 Monate zum Einwachsen. Der Zeitvorteil entsteht dadurch, dass Extraktion und Implantation zusammenfallen — nicht weil die Heilung schneller ist.
Provisorische Krone ≠ volle Belastung
Eine provisorische Krone am selben Tag ist ästhetisch und funktional — aber sie darf nicht voll belastet werden. Harte Speisen und starkes Kauen sind in den ersten 6–8 Wochen zu vermeiden.
Vorteile & Chancen
Weniger Eingriffe
Extraktion und Implantation in einer Sitzung — statt zwei getrennter Operationen mit Wartezeit dazwischen.
Kürzere Gesamtbehandlungszeit
3–6 Monate statt 6–12 Monate bei konventionellem Vorgehen. Provisorische Krone oft am selben Tag möglich.
Knochenerhalt
Sofortige Belastung reduziert Knochenabbau um bis zu 40 %. Die Alveole bleibt besser erhalten.
Zahnfleischkontur bleibt stabil
Papillen und Zahnfleischrand bleiben besser erhalten — ästhetisch besonders wichtig im Frontzahnbereich.
Psychologischer Vorteil
Keine Zahnlücke nach der Extraktion. Provisorische Krone am selben Tag gibt Sicherheit und Lebensqualität.
Weniger Knochenaugmentation nötig
Durch den Erhalt der Alveole ist in vielen Fällen kein separater Knochenaufbau erforderlich.
Grenzen & Risiken
Sofortimplantate sind technisch anspruchsvoller als konventionelle Implantate. Die Erfolgsrate ist hoch — aber nur bei richtiger Patientenselektion.
| Risiko | Häufigkeit | Maßnahme |
|---|---|---|
| Implantatverlust | 2–6 % | Strenge Patientenselektion, primäre Stabilität >35 Ncm |
| Infektion / Periimplantitis | 3–8 % | Antibiotische Abdeckung, strikte Mundhygiene |
| Knochenresorption rund um Implantat | 5–12 % | Korrekte Implantatposition, Bindegewebstransplantat |
| Provisorische Krone instabil | selten | Keine Kaubelastung in den ersten 6–8 Wochen |
| Ästhetisches Ergebnis suboptimal | 5–10 % | Erfahrener Chirurg, DVT-Planung, Frontzahnbereich kritisch |
Die Erfolgsrate von Sofortimplantaten liegt bei 94–98 % — aber nur bei sorgfältiger Patientenselektion. Bei falscher Indikation steigt das Risiko für Implantatverlust erheblich.
Was vorab abgeklärt werden sollte
Bevor ein Sofortimplantat geplant werden kann, müssen folgende Punkte durch Ihren Behandler abgeklärt werden:
DVT / 3D-Aufnahme
PflichtOhne DVT kann kein Chirurg seriös beurteilen, ob primäre Stabilität erreichbar ist. Knochenhöhe, -breite und -dichte müssen exakt gemessen werden.
Infektionsstatus
PflichtAktive Infektion oder Abszess ist eine absolute Kontraindikation. Der Bereich muss entzündungsfrei sein.
Parodontaler Status
PflichtAktive Parodontitis muss vor dem Eingriff vollständig behandelt sein. Professionelle Zahnreinigung ist Pflicht.
Allgemeinmedizinische Abklärung
Diabetes, Bisphosphonat-Therapie, Immunsuppression, Gerinnungsstörungen — all das beeinflusst die Eignung erheblich.
Raucherstatus und Compliance
Raucher müssen mindestens 2 Wochen vor und 4 Wochen nach dem Eingriff konsequent aufhören. Ohne diese Compliance ist ein Sofortimplantat nicht empfehlenswert.
Typischer Ablauf
DVT / 3D-Analyse
Präzise Messung von Knochenhöhe, -breite und -dichte. Beurteilung ob primäre Stabilität erreichbar ist.
Planung & Aufklärung
Digitale Implantatplanung. Detaillierte Aufklärung über Risiken, Alternativen und Nachsorge.
Extraktion & Sofortimplantation
Schonende Extraktion, Alveolensäuberung, sofortige Implantation. Dauer: 45–90 Minuten.
Provisorische Krone
Sofern primäre Stabilität ausreichend (>35 Ncm): provisorische Krone am selben Tag. Keine volle Kaubelastung.
Osseointegration (3–6 Monate)
Knochen wächst in das Implantat ein. Kontrollen alle 4–6 Wochen. Keine harten Speisen.
Finale Krone
Nach vollständiger Osseointegration: definitive Abdrücke, zahntechnische Herstellung, Einsetzen der finalen Krone.
Alternativen zum Sofortimplantat
| Option | Vorteil | Nachteil | Empfehlung |
|---|---|---|---|
| Konventionelles Implantat | Höhere Erfolgsrate (97–99 %), mehr Planungszeit | Längere Behandlungszeit (6–12 Monate), Zahnlücke während Heilung | Goldstandard bei Unsicherheit |
| Sofortversorgung | Krone am selben Tag, Implantat nach Heilung gesetzt | Zwei Eingriffe nötig | Guter Kompromiss |
| Brücke auf Nachbarzähnen | Kein chirurgischer Eingriff | Beschleifen gesunder Zähne, kein Knochenerhalt | Nur wenn Implantat nicht möglich |
| Abwarten / Knochenaufbau zuerst | Bessere Ausgangssituation für Implantat | Längste Behandlungszeit (12–18 Monate) | Bei Kontraindikation für Sofortimplantat |
Häufige Fragen
Fragen für das Gespräch mit Ihrem Behandler
Bin ich ein geeigneter Kandidat für ein Sofortimplantat — und warum?
Welche primäre Stabilität erwarten Sie bei mir zu erreichen?
Kann ich am selben Tag eine provisorische Krone bekommen?
Wie viele Sofortimplantate haben Sie in den letzten 12 Monaten gesetzt?
Was passiert, wenn das Implantat nicht einheilt?
Welche Alternative empfehlen Sie, wenn ein Sofortimplantat nicht möglich ist?
Was kostet der gesamte Behandlungsablauf inklusive finaler Krone?
Checkliste: Was sollte vorab geklärt sein?
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Alle auf dieser Seite genannten Preise sind durchschnittliche Marktrichtwerte für den österreichischen Markt (Stand 2025). Es handelt sich ausdrücklich nicht um Festpreise des Instituts oder einer bestimmten Praxis. Die tatsächlichen Kosten können je nach Befund, Behandlungsumfang, gewähltem Material und Praxis erheblich abweichen. Verbindliche Kosteninformationen erhalten Sie ausschließlich im Rahmen eines individuellen Heilkostenplans (HKP) bei Ihrem behandelnden Zahnarzt.
Weiterführende Leitfäden
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Hinweis: Die Inhalte dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle zahnärztliche Beratung durch einen approbierten Zahnarzt oder Facharzt. Das Institut für Implantologie und digitale Zahnmedizin Wien ist eine gemeinnützige, unabhängige Wissenschaftsplattform — kein Behandlungsbetrieb. Alle Angaben entsprechen dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Literatur; individuelle Behandlungsentscheidungen müssen stets mit einem approbierten Zahnarzt getroffen werden.