Das Wichtigste in Kürze
- Zahnimplantate sind für Parodontitis-Patienten möglich, wenn eine gründliche Vorbehandlung stattfindet.
- Behandelte Parodontitis reduziert das 10-Jahres-Implantatverlustrisiko von über 20% auf 8-10%.
- Parodontitis baut entscheidenden Kieferknochen ab und erhöht die Gefahr von bakteriellen Entzündungen am Implantat.
- Aktive Zahnfleischentzündung, starkes Rauchen oder unkontrollierter Diabetes machen ein Implantat unratsam.
Parodontitis und Zahnimplantate — das klingt wie ein Widerspruch. Tatsächlich ist Parodontitis einer der häufigsten Gründe für Zahnverlust, und viele Patienten fragen sich: Kann ich trotzdem ein Implantat bekommen? Die ehrliche Antwort: Ja — aber nicht sofort, und nicht ohne Vorbehandlung.
Wichtig vorab
Ein Implantat in einem unbehandelten Parodontitis-Gebiss hat eine deutlich höhere Misserfolgsrate. Die Vorbehandlung ist keine Option — sie ist Voraussetzung.
Was ist Parodontitis — und warum ist sie für Implantate relevant?
Parodontitis ist eine bakterielle Entzündung des Zahnhalteapparats — also des Knochens, der Wurzelhaut und des Zahnfleisches. Unbehandelt führt sie zu Knochenabbau, Zahnlockerung und schließlich Zahnverlust. Für Implantate ist das aus zwei Gründen kritisch:
- 1.Knochenvolumen: Parodontitis baut genau den Knochen ab, in den das Implantat eingesetzt werden muss. Zu wenig Knochen = kein stabiles Implantat.
- 2.Bakterielle Belastung: Die Parodontitis-Bakterien im Mund erhöhen das Risiko einer Periimplantitis — der Implantat-Variante der Parodontitis — erheblich.
Wie hoch ist das Risiko wirklich?
Studien zeigen klar: Patienten mit Parodontitis-Vorgeschichte haben ein signifikant erhöhtes Risiko für Periimplantitis und Implantatverlust — aber nur wenn die Parodontitis nicht behandelt ist oder die Nachsorge vernachlässigt wird.
| Patientengruppe | Periimplantitis-Risiko | Implantatverlust (10 J.) |
|---|---|---|
| Parodontal gesund | ~10–15% | ~3–5% |
| Parodontitis behandelt + Nachsorge | ~20–25% | ~8–10% |
| Parodontitis unbehandelt | >40% | >20% |
Quelle: Systematische Reviews der EFP (European Federation of Periodontology), 2022–2024
Der richtige Ablauf: Erst Parodontitis behandeln, dann Implantat
Kein seriöser Implantologe setzt ein Implantat in einen entzündeten Kiefer. Der Standardablauf sieht so aus:
Parodontale Diagnostik
Messung der Taschentiefen, Röntgen (DVT), Bestimmung des Schweregrades (Grad I–IV nach neuer Klassifikation).
Aktive Parodontaltherapie (APT)
Professionelle Reinigung, Scaling und Root Planing — Entfernung aller Beläge und Zahnstein unter dem Zahnfleischrand. Dauer: 4–8 Wochen.
Re-Evaluation
Nach 8–12 Wochen: Kontrolle ob die Entzündung abgeklungen ist. Taschentiefen ≤4 mm gelten als Zielwert.
Ggf. chirurgische Parodontaltherapie
Bei tiefen Taschen (>6 mm) oder Furkationsbeteiligung kann ein chirurgischer Eingriff nötig sein.
Implantatplanung
Erst wenn die Parodontitis stabil ist, wird das Implantat geplant — mit DVT, 3D-Planung und ggf. Knochenaufbau.
Lebenslange Nachsorge (UPT)
Unterstützende Parodontaltherapie alle 3–6 Monate — das ist nicht optional, sondern Voraussetzung für den Implantat-Erfolg.
Wann ist ein Implantat möglich — und wann nicht?
- • Parodontitis erfolgreich behandelt (stabile Verhältnisse)
- • Taschentiefen ≤4 mm, keine Blutung auf Sondierung
- • Ausreichend Knochenvolumen vorhanden (oder aufgebaut)
- • Patient bereit für regelmäßige Nachsorge (UPT)
- • Keine aktive Entzündung im Behandlungsgebiet
- • Aktive Parodontitis (unbehandelt oder unkontrolliert)
- • Schlechte Mundhygiene trotz Aufklärung
- • Starkes Rauchen (>10 Zigaretten/Tag) ohne Reduktionsbereitschaft
- • Unkontrollierter Diabetes (HbA1c >8%)
- • Fehlende Compliance für Nachsorge
Was kostet die Vorbehandlung?
Die Parodontaltherapie ist ein eigenständiger Behandlungsblock — und ein notwendiger. Die Kosten variieren je nach Schweregrad:
| Behandlungsschritt | Kassenleistung | Eigenanteil (ca.) |
|---|---|---|
| Professionelle Zahnreinigung (PZR) | Nein | 80–150 € |
| Scaling & Root Planing (APT) | Teilweise | 200–600 € |
| Chirurgische Parodontaltherapie | Nein | 500–1.500 € |
| UPT (pro Sitzung, 3–6x/Jahr) | Nein | 80–150 € |
Ihre Checkliste: Bin ich implantatbereit?
Fazit: Parodontitis ist kein Ausschlussgrund — aber eine Bedingung
Parodontitis bedeutet nicht, dass Sie kein Implantat bekommen können. Es bedeutet, dass Sie zuerst die Grundlage schaffen müssen — einen gesunden, entzündungsfreien Kiefer. Wer diese Vorarbeit ernst nimmt und die Nachsorge konsequent wahrnimmt, kann auch mit Parodontitis-Vorgeschichte langfristig erfolgreiche Implantate haben.
Wenn Sie unsicher sind, wo Sie stehen: Lassen Sie eine parodontale Diagnostik durchführen. Das dauert eine Stunde und gibt Ihnen Klarheit über Ihren aktuellen Status und die nächsten Schritte.
Institut für Implantologie und digitale Zahnmedizin Wien
Fachärztliches Team IIDZ Wien
Weitere Artikel
Thematisch verwandt
Hinweis: Diese Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle zahnärztliche Beratung. Das Institut für Implantologie und digitale Zahnmedizin Wien ist eine gemeinnützige, unabhängige Wissenschaftsplattform — kein Behandlungsbetrieb. Alle Angaben entsprechen dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Literatur; individuelle Behandlungsentscheidungen müssen stets mit einem approbierten Zahnarzt oder Facharzt getroffen werden.
