Das Wichtigste in Kürze
- Vollständig digitaler Workflow: DVT → Planung → Schablone → Intraoralscanner → CAD/CAM-Krone — ohne physische Abdrücke.
- Intraoralscanner: Genauigkeit 5–20 Mikrometer, angenehmer als Abdrucklöffel, Scan in 3–7 Minuten.
- CAD/CAM-Krone: Herstellungszeit 1–2 Tage statt 1–2 Wochen, hochpräzise Passform aus Zirkon oder Keramik.
- Digitaler Workflow reduziert Termine und Fehlerquellen — jede Übertragung vom Analogen ins Digitale ist ein Präzisionsverlust.
- Scanbody-Protokoll: Für den digitalen Abdruck nach Implantation wird ein Scanbody auf das Implantat gesetzt — prüfen Sie, ob Ihr Implantatsystem das unterstützt.
- Fragen Sie: 'Verwenden Sie einen Intraoralscanner für den Abdruck?' und 'Wird die Krone CAD/CAM-gefräst?'
Von der ersten Diagnose bis zur definitiven Krone: Ein modernes Zahnimplantat kann heute vollständig digital geplant, gesetzt und versorgt werden — ohne einen einzigen physischen Abdruck. Was das konkret bedeutet, wie jeder Schritt funktioniert und welche Fragen Sie stellen sollten, erklärt dieser Artikel.
Die 5 Phasen des digitalen Implantat-Workflows
Ein vollständig digitaler Workflow umfasst fünf aufeinander aufbauende Phasen. Jede Phase übergibt digitale Daten an die nächste — das eliminiert Übertragungsfehler, die bei analogen Zwischenschritten entstehen.
Digitale Diagnostik: DVT/CBCT
Das DVT (Digitale Volumentomographie) liefert ein dreidimensionales Bild des Kiefers mit Schichtdicken von 0,1–0,3 mm. Es zeigt Knochenvolumen, -dichte und -qualität sowie die exakte Lage von Nervkanälen, Kieferhöhle und Nachbarzähnen. Dieser Datensatz ist die Grundlage für alle weiteren digitalen Schritte.
Computergestützte Implantatplanung
Auf Basis des DVT-Datensatzes wird das Implantat am Computer geplant (Backward Planning). Software wie coDiagnostiX, Simplant oder Nobel Clinician erlaubt die virtuelle Platzierung mit automatischer Sicherheitsabstandsprüfung. Das Ergebnis ist eine patientenindividuelle chirurgische Bohrschablone.
Geführte Implantation (Guided Surgery)
Die Bohrschablone wird auf den Kiefer aufgesetzt und führt den Chirurgen millimetergenau. Bohrrichtung, -tiefe und -position sind exakt vorgegeben. Bei ausreichend Knochen ist oft eine flapless surgery (ohne Schnitt) möglich — das minimiert Wundfläche und Heilungszeit.
Digitaler Abdruck: Intraoralscanner
Nach der Einheilzeit (8–16 Wochen) wird ein Scanbody auf das Implantat gesetzt. Der Intraoralscanner erfasst die exakte Position des Implantats im Kiefer und erstellt ein präzises 3D-Modell. Dieser digitale Abdruck ersetzt den konventionellen Abdrucklöffel — angenehmer für den Patienten, präziser für das Labor.
CAD/CAM-Kronenherstellung und Einsetzen
Das Zahntechniklabor entwirft die Krone am Computer (CAD) und fräst sie aus einem Zirkon- oder Keramikblock (CAM). Herstellungszeit: 1–3 Tage. Die Krone wird einprobiert, ggf. digital angepasst und eingesetzt. Keine Wartezeit auf Gipsmodelle oder manuell hergestellte Restaurationen.
Der Intraoralscanner: Wie er funktioniert und was er kann
Der Intraoralscanner ist das Herzstück des digitalen Prothetik-Workflows. Das handgeführte Gerät projiziert strukturiertes Licht oder Laser auf Zähne und Weichgewebe und erstellt in Echtzeit ein dreidimensionales Modell. Moderne Scanner (3Shape TRIOS 5, Dentsply Sirona Primescan, Align iTero) erreichen eine Genauigkeit von 5–20 Mikrometern — vergleichbar mit konventionellen Abdrücken, aber ohne die bekannten Nachteile.
Konventioneller Abdruck
Intraoralscanner
Was ist ein Scanbody?
Ein Scanbody ist ein kleines Präzisionsbauteil, das auf das Implantat geschraubt wird, bevor der Intraoralscanner den Abdruck nimmt. Es hat eine definierte Geometrie, die dem Scanner und der Software erlaubt, die exakte Position und Ausrichtung des Implantats im 3D-Modell zu erfassen. Jedes Implantatsystem hat eigene Scanbodies — prüfen Sie, ob Ihr Implantatsystem ein digitales Scanbody-Protokoll unterstützt.
CAD/CAM-Kronenherstellung: Vom Scan zur fertigen Krone
CAD/CAM (Computer-Aided Design / Computer-Aided Manufacturing) hat die Zahntechnik grundlegend verändert. Das Labor erhält den digitalen Abdruck, entwirft die Krone am Computer und fräst sie aus einem industriell hergestellten Keramik- oder Zirkonblock. Dieser Prozess dauert 1–3 Tage statt 1–2 Wochen bei konventioneller Herstellung.
| Material | Eigenschaften | Einsatz |
|---|---|---|
| Zirkonoxid (Zirkon) | Extrem hart, zahnfarben, metallallergiefrei, biokompatibel | Einzelkronen, Brücken, Vollbogenversorgungen |
| Lithiumdisilikat (e.max) | Hohe Ästhetik, transluzent, sehr gute Passform | Einzelkronen, Veneers, ästhetisch anspruchsvolle Fälle |
| PMMA (Kunststoff) | Provisorisch, günstig, leicht anpassbar | Provisorische Versorgung während der Einheilzeit |
| Titan-Abutment + Keramikkrone | Maximale Biokompatibilität, bewährte Langzeitdaten | Wenn Metallfreiheit nicht zwingend, aber Stabilität wichtig |
Was der vollständig digitale Workflow für Patienten bedeutet
Weniger Termine
Kein separater Termin für Abdrücke, schnellere Kronenlieferung
Höhere Präzision
Jede analoge Übertragung ist ein Fehlerrisiko — digital entfällt das
Mehr Komfort
Kein Abdrucklöffel, kein Würgereiz, Scan in Minuten
Reproduzierbarkeit
Digitale Daten können jederzeit erneut genutzt werden
Kürzere Wartezeit
Krone in 1–3 Tagen statt 1–2 Wochen
Dokumentation
Vollständige digitale Dokumentation aller Behandlungsschritte
Diese Fragen sollten Sie Ihrem Behandler stellen
„Verwenden Sie einen Intraoralscanner für den Abdruck?"
Wenn ja: kein Abdrucklöffel, präziserer Abdruck, schnellere Kronenlieferung.
„Wird die Krone CAD/CAM-gefräst?"
Industriell gefertigte Zirkon- oder Keramikblöcke haben eine homogenere Qualität als manuell hergestellte Restaurationen.
„Unterstützt mein Implantatsystem ein digitales Scanbody-Protokoll?"
Ohne Scanbody kein digitaler Abdruck — prüfen Sie das vor der Implantation.
„Haben Sie DVT-Daten und Intraoralscandaten für die Planung kombiniert?"
Die Kombination von DVT (Knochen) und Intraoralscandaten (Zähne/Weichgewebe) ermöglicht die präziseste Planung.
Der digitale Workflow ist heute der Standard — nicht die Ausnahme
Ein vollständig digitaler Workflow von der DVT-Diagnostik bis zur CAD/CAM-Krone ist heute in modernen Implantologie-Praxen Standard. Er reduziert Fehlerquellen, verkürzt Behandlungszeiten und ist für Patienten deutlich angenehmer als konventionelle Verfahren. Fragen Sie Ihren Behandler explizit nach dem Planungs- und Prothetikverfahren — ein transparenter Behandler erklärt jeden Schritt.
IIDZ Wien – Wissenschaftliche Redaktion
Wissenschaftliche Redaktion
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Hinweis: Diese Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle zahnärztliche Beratung. Das Institut für Implantologie und digitale Zahnmedizin Wien ist eine gemeinnützige, unabhängige Wissenschaftsplattform — kein Behandlungsbetrieb. Alle Angaben entsprechen dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Literatur; individuelle Behandlungsentscheidungen müssen stets mit einem approbierten Zahnarzt oder Facharzt getroffen werden.